Foto 6: JOY
25.04.26 "Chor Modern", Chorfestival in Idstein/Taunus Gregor Berhorst (Tenor und Vorsitzender)
Samstag, am frühen Nachmittag, geht´s los von Frechen-Benzelrath, "Haltestelle An
St. Severin". Störungsfrei und sanft gefahren erreichen wir per Bus Idstein bei Wiesbaden. Es fühlt sich an wie eine Klassenfahrt, voller Lebenslust und Vorfreude auf den heutigen Abend.
Idstein ist ein wunderschönes Örtchen, nur so gespickt von gepflegtem Fachwerk und Bruchstein, ein Schmuckkästchen.
Perfekt organisiert finden wir zu Fuß bei strahlendem Sonnenschein ins nahe Two-for-You, einem schönen Restaurant mit spanischem Schwerpunkt, das uns alle zusammen verköstigt. Zuvor noch ein Sammeln und Gruppenfoto am Brunnen. Die munteren Gespräche und das Gelächter aus dem Bus setzen sich locker fort, von Nervosität vorm Auftritt keine Spur. Auf dem Weg heraus aus dem Lokal zur Stadthalle treffen wir Heinz und die anderen, die schon vorgereist sind. Kurz vor der vereinbarten Uhrzeit betreten wir die moderne Stadthalle und gehen über die Bühne in Nebenräume, wo wir uns ohne viel Aufhebens umkleiden.
On Stage das übliche Warm-Up und Einsingen, ein bisschen Aussteuerung fürs
Solo-Mikro und so weiter. Das erste Singen lief so là là, aber das tat unserer Stimmung keinen Abbruch. Noch Zeit für einen Drink an der Theke, einen kleinen Toilettengang und dann
ging´s los...
Die Hitstaaner, die Hausherr*innen legten vor mit „Sweet Dreams“ von Annie Lennox. Und sie sangen mit viel Engagement überwiegend deutsche Titel. Ein
gelungener Start.
Was folgte war speziell,
Allegreddo, ein moderner Männerchor, kein Männergesangverein. Die Kleidung hat unserer Outfit-AG sicher missfallen, aber was für ein witzig moderierter vollkehliger A-Capella-Chor mit
moderner „Stimmungsmache“, safe ein Höhepunkt des Abends.
CantaMiss,
der Frauenchor, der auf der Bühne folgte, war eine Inspirationsquelle für richtig gute Choreo und sorgte für das beste optische Entertainment. Die Damen begannen mit „Let`s get loud“ von Gloria
Estefan. Dann gab´s eine Pause und ein
Kaltgetränk und erste Kontaktgespräche mit Zuschauer*innen und anderen Chören.
Nach der Pause nahmen wir die Bühne in Besitz. Schon bei „Haus am See“, wie alle Stücke perfekt begleitet von Steffen und dirigiert von Uli, wussten wir, dass wir heute Abend besonders sein würden. Motiviert bis unter die Haarwurzeln, sangen wir mehr Stücke als geplant und brachten am Ende sogar noch Believer mit allen Choreo-Elementen nahezu perfekt auf die Bühne. Das Publikum brauchte ein bisschen Warm-Up an diesem Abend, aber wir haben es definitiv erreicht und berührt. Die Leute waren hinterher voll des Lobes.
Den Abschluss machten die Hitstaaner mit einem sehr schönen Song von Elton John und ja, tatsächlich „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Damit setzten sie für diesen Abend ein letztes Highlight.
Was für ein wunderschöner Abend in Idstein mit so viel schönem Gesang und so vielen netten Menschen, es war entzückend. Wer nun glaubt, wir hätten auf der Rückfahrt im Bus geschlafen, der ist im Irrtum. Es wurde geschwätzt, gesungen, Geld für den Busfahrer gesammelt, Sekt ausgeschenkt und wir trugen die super Stimmung bis nach Frechen.
Fotos 1-4: JOY Foto 5: Michael Breuer
14.-16.11.25 Probenwochenende in der Eifel Anne Eisenhauer (Sopran 1)
Freitagnachmittag geht´s los von Köln-Weiden, zusammen mit zwei Bässen und einem
Tenor nach Schleiden-Gemünd. Ich dachte nur, bitte keinen Unfall, sonst fehlt nachher ein Drittel der Männerstimmen - diese Sorge blieb unbegründet. Die zweite auch, die Jugendherberge Vogelsang hat einen überraschend guten, modernen Standard. Probenstart um sieben Uhr nach dem Abendessen: Raum zu klein, Luft schnell aufgebraucht, zu
warm. Wie sollen wir in diesem Raum mit über fünfzig Personen proben? Heute nur bis 21:30 Uhr und ein gemütliches Get-together bei Bier, Fassbrause, Wein und Leckereien beendet den Abend.
Samstagmorgen und Julia unsere „CEO“ hat´s geschafft, wir wechseln in einen Saal auf der dritten Etage. Er hat gutes Raumklima, direkten Zugang zur Terrasse und einen traumhaftem Eifelblick durch bodentiefe Fenster. Sogar bequemere Stühle, was will man mehr? Lucas Förster, der Vocal-Coach,
startet um 9:30 Uhr mit einem Warm-Up. Er bewegt unsere ganzen Körper und lockt den wahren Pop-Sound aus uns hervor. Besonders schön finde ich das rhythmische Klatschen und die Harmony-Parts: wir
improvisieren mehrstimmig über eine einfache Melodie und lernen ein tieferes Harmonieverständnis anzuwenden. Wär´ das nicht auch was für unsere Alltags- Probenarbeit?
Empire State of Mind bringt die Tenöre an ihre Stimmesgrenzen. Einer kurzen Pause folgt Skyfall und schon adaptiert unsere Chorleiterin Ulrike Bauer die „Körperwellen-Übung“ aus dem Einsingen mit Lucas: Wir stehen uns in zwei Gruppen gegenüber, ziehen und werfen uns beim Singen abwechselnd die Luft in Wellen zu. Vor der Pause arbeiten wir noch an I am what I am: Ulis Tipp, die spezielle Zeile wie ein Karnevalslied zu singen, zündet wie´n Tusch.
Nachmittags zum Haus am See: Die Einsätze im Background zu treffen, ist ´ne harte Nuss. Unser altes They don’t really care about us zeigt mir wieder, wie wichtig Wiederholungen zum Einprägen von Texten sind. Dann führt unsere Co-Repetitorin Antonia Kleineidam die Stimmgruppen für Einzeltrainings in einen Nebenraum. Wir Sopranis, war ja klar, müssen den Anfang von „West Coast“ üben. Ein Horror, weil er für Sopran 1 „high-end“ ist! Zurück im großen Gruppenraum geht´s sofort an Something Just Like This. Auch hier lassen wir fast die Gläser zerspringen: “Where d’you wanna go, how much you wanna this?” schaffen wir am Ende nur mit den „Schwimmbewegungen“ von Lucas, „move it, baby“...
Joy, ein neues Stück - wie passend ist das denn? - packen wir als nächstes an. Ich finde den Song eher „geht-so“ aber hey, hier sind unsere Männer mal richtig gefordert, weil sie die meisten Lead- und Textparts haben. Schreit nach Sonderproben;-) Um fünf gehe ich stimmgemischt zu viert ins Vocal Coaching. Meine hohen Erwartungen erfüllen sich nicht: Zeit zu knapp und kaum Coaching. Auf dem Weg zum Dinner aber noch ein Highlight: Wir stellen uns im Treppenhaus über mehrere Etagen auf, nutzen den Hall des nackten Betons mit den bunten Klettergriffen und singen für unsere Youth Hostel: And so it Goes mit Gänsehaut und Applaus.
Lucas´ Closing mit der einstudierten Melodie aus den Einzelgruppen singen wir in drei Gruppen. Das klingt harmonisch und wun-der-schön. Tapfer üben wir noch bis 20:30 Uhr weiter, und dann hinein in den Feierabend, feucht-fröhlich mit viel Geschnatter und Gelächter. Nur wenige gehen zu Bett, bevor wir Liedgut von Waldheimat bis Disney´s Lion King trällern und sogar ´ne kesse Sohle zu ABBAs Dancing Queen aufs Parkett legen. Ich hörte erst am nächsten Morgen, dass derselbe Pascal, der nach den Proben vorm Abendessen total erschöpft war, zu den letzten drei gehörte, die um Viertel vor eins die Lichter löschten und den Saal schlossen.
Lecker Frühstück am Sonntagmorgen, dann ruft die Pflicht: Betten abziehen, packen, Zimmer räumen und pünktlich im Choroutfit im Foyer parat stehen. Ziel: neue Gruppenfotos für unsere Social Media Kanäle und das anstehende Konzertmarketing. Der Fotograf Michael Breuer setzt uns auf einer Treppe, leuchtend bunte Bäume hinter uns, professionell in Szene. Und na ja, den mäßigen Gesang auf der Feuchtwiese bei der zweiten Location hört man ja zum Glück auf den Fotos nicht.
Zurück im großen Probenraum wieder eine Überraschung: wir singen uns mit einem anderen Chor, der ebenfalls hier probt, gegenseitig Stücke vor. „Haste Töne“ ist ein Chor aus Bonn-Beuel, der gerade das Bachsche Weihnachtsoratorium einstudiert. Nachdem wir zwei Stücke gesungen haben, beglückt uns der Bonner Chor mit einem schwedischen Weihnachtslied und dem anspruchsvollen Oratorium. Spontan stellen sich Ulrike und Antonia dazu und singen einfach mit, ...haste Töne!
Nach der Mittagspause nochmal zurück zu Haus am See und Empire State of Mind: Wenige Tenöre müssen mit ihrer high-pitched line alles geben gegenüber vierzig Frauen und dem Bass. Dann West Coast gehend, durcheinander, nicht leicht, wenn der Halt der eigenen Stimmgruppe fehlt. 14 Uhr Kaffeepause, aah, tut das guuut. Und dann rasch weiter mit „älteren“ Stücken auf der Konzert-Setliste, die wir an diesem Wochenende noch gar nicht gesungen haben.
Es war intensiv und schön mit JOY in der Eifel. Wir haben einander noch besser kennengelernt und sind wieder ein Stückchen enger zusammengewachsen. Und doch sind wir erleichtert, als Uli um 15 Uhr mit herzlichem Dank an die Organisatorinnen, Antonia und alle Sänger das Ende setzt. Sie hat uns mit Engelsgeduld und ansteckendem Enthusiasmus auf diesem Probenwochenende geleitet und für die Feinheiten der Stücke sensibilisiert. Hoffen wir, dass es lange nachhallt und wir sie aus der Erinnerung abrufen können.
(Anm. Vorstand: 90% der Mitglieder nahmen teil, eins sagte ab, ein neues rückte nach)
Foto 1: Petra Nova. Ulrike Bauer, links hinten Antonia Kleineidam Foto 2: JOY. Der Chor
26.09.25 Auftritt in der Kulturkirche Alt Sankt Ulrich Gregor Berhorst (Tenor)
Kaum vier Wochen vorher standen wir noch
open air am Keramion und hatten einen Auftritt auf dem Sommerfest des bekannten Frechener Museums. Die Chorleiterin, Ulrike Bauer, war aus gesundheitlichen
Gründen kurz zuvor ausgefallen. Nun hatten wir zwei Handicaps, zum einen das fehlende Dirigat und zum anderen die schwierige Open-Air-Akustik. Wir traten auf, weil wir natürlich zu unserem Wort
stehen. Und wir sangen mit dem Mut zur Lücke, auch wenn unsere Stimmen, die beim Aufwärmen im Untergeschoss des Museums noch sehr schön klangen, im Freien vom Winde verweht wurden. Dadurch hörten
wir weder uns selbst, noch unsere Mitsänger:innen und konnten unsere Stimmen nicht kontrollieren. Antonia Kleineidam, unsere Korrepetitorin, trug maßgeblich dazu bei, dass wir es allen Umständen
zum Trotz letztlich doch noch wuppten.
Dann legten wir einen vierwöchigen Proben-Spurt zur Veranstaltung in der Kulturkirche ein, wo wir ja nicht einfach die gleichen Lieder wie am Keramion
singen wollten. Unterdessen war Ulrike wieder halbwegs auf den Beinen und wir gaben in den Proben und zuhause mit den Übungs-Midis alles, um den Auftritt in Alt Sankt Ulrich zu meistern. Neben
dem Einüben der Melodien und Texte gab es zusätzliche Arbeit vor allem für die Mitglieder der Technik-AG, den Vorstand und die Moderator:innen, allesamt beruflich eingespannt. Mit Spannung aber
auch viel Vorfreude auf den wunderschönen Klangraum, der von dem Förderverein Alt Sankt Ulrich unter der Leitung unseres langjährigen ersten Vorsitzenden Johannes, hervorragend betreut wird,
erfuhren wir, dass die Veranstaltung ausverkauft war. Sehr erleichternd zu wissen, dass der Verein nicht draufzahlen muss. Noch am Vorabend des Konzerts wollte eine Journalistin ein schriftliche
Presse-Info von mir, was schlichtweg nicht mehr zu
leisten war.
Und dann war es soweit. Erstaunlich, wie viele unserer Chormitglieder beim Aufbau der Technik und dem, was sonst notwendig war mit freudigem Gesicht und eigeninitiativ mit anpackten. Die
Energie war überall spürbar, keinerlei Defätismus, nur Unterstützung und Ansporn.
Unsere Pianistin Antonia hatte zwei Soli vorbereitet und auch darauf waren wir sehr gespannt. Alles lief vor dem Start um 19:30 Uhr wie am Schnürchen und keine zehn Minuten vor dem Auftritt fing
mich die freie Journalistin Petra Nova noch für ein kleines Interview ein. Das fiel mir unter dem Eindruck der positiven Energie unseres Chors sehr leicht.
Dann ging es unter einem warmen Willkommens-Applaus auf die Bühne, wo wir die Aufstellung nach Stimmgruppen, Größen und Farben zuvor austariert hatten.
Mikros standen für die Moderationen, das Piano und für eigene Tonaufnahmen bereit, unsere Stimmen hatten keine Verstärkung und Uli hatte uns eingeschärft, nur ja die Texte Wort für Wort ganz
klar und deutlich zu singen, weil der Hall der Kirche sonst Wortenden und Konsonanten verschlucke. Im Tenor waren wir nur zu dritt, aber ich wusste mich unter den zwei Könnern Pascal und
Ekkehard, die stets text- und melodiesicher sind. Spätestens nach den ersten zwei Liedern fühlte ich keinerlei Anspannung mehr, alles war im Flow und ich
hörte mit viel Freude und Stolz auch den anderen Stimmgruppen zu. So stark hatte ich zum Beispiel unseren Alt noch kaum je gesehen, der Sopran so stimmgewaltig wie immer und das mit eingebundene
Stück Doppel-Solo von unseren Bässen Frank und Heinz gelang hervorragend. Die Soli von Antonia (Summertime und Take Five) waren die Highlights des Abends.
Ulrike selbst war ebenfalls in Höchstform und wir achteten genau auf jede ihrer Bewegungen. Wir wurden eins miteinander im JOY-Chor und bereits nach dem dritten Stück war das Publikum unfassbar
aus dem Häuschen. Die meisten unserer Stücke handeln von der Liebe und den großen Emotionen und wir erreichten damit unser Publikum an diesem Abend zu einhundert Prozent.
Auch der Beleuchter und Tontechniker der Kulturkirche darf mit seiner außergewöhnlich guten Arbeit nicht unerwähnt bleiben, er war sehr auf Zack und hat uns immer ins rechte Licht gerückt.
Standing Ovations gab es am Ende für uns und drei Zugaben verlangte das Publikum, bevor man uns schließlich von der Bühne ließ.
Die fachlich versierte und durchaus kritische Journalistin, Petra Nova, trat für ihre Fotos sehr nah ans Geschehen heran. Sie war total begeistert von unserer Dirigentin, unserer Pianistin und
der Stimmung, die unser Chor an diesem Abend generieren konnte. Ihr anschließender Artikel trug dem Erlebten Rechnung.
Nach dem gemeinschaftlichen Abbau, saß ein gutes Dutzend von uns beim Griechen nebenan und ließ sich mit Getränken und Essen versorgen. Ich sah in dieselben
begeisterten Gesichter wie auf der Bühne, was für eine große Freude, ein Teil von JOY zu sein!
Seit 2022 ist Ulrike Bauer unsere Chorleiterin Regina Klaus (Alt 1)
„Soooo!“ – mit diesem Ruf wissen wir, dass die Probe beginnt. Es geht immer lustig zu, mit gymnastischem Aufwärmen und allerlei kuriosen Stimmübungen, ehe Ulrike mit uns die Lieder einübt, die wir ja schon zuhause vorbereitet haben…..dank der Midis. Häufiger mal von Anekdoten aus dem Leben unterbrochen, die aber immer Bezug zur Übungssituation haben. So lernt es sich leichter! Bei allem Spaß ist sie auch eine strenge Chorleiterin. Sie hat uns optimal auf das Konzert 2022 nach der langen Corona-Pause vorbereitet, so dass wir uns in Höchstform dem Publikum präsentieren konnten.
Unvergessen ihre unermüdliche Arbeit an 2x2 Tagen im Tonstudio! Derweil manche Stimmen Pause hatten, musste sie weiter dirigieren, motivieren, wiederholen, ermuntern und loben.
Welche Energie! Wir sind sicher, dass Ulrike es mit dieser Energie wieder schafft, dass JOY Ihnen mit diesem Jubiläumskonzert höchsten Genuss bereiten wird.
Wie war die Position der Chorleitung über die 30 Jahre besetzt?
Schon bekannt und geschätzt als Pianist und Korrepetitor von JOY übernahm Steffen die Chorleitung. Mit seiner Ruhe, seinem trockenen Humor und pointierten Anweisungen bringt er uns das richtige Taktgefühl bei - und verteilt auch Lob, mit wenigen Worten, aber von Herzen.
Mit hohem Engagement hielt er während der Coronazeit durch virtuelle Proben über Zoom und anstrengende Proben mit weitem Abstand den Chor zusammen und opferte die Zeit auch für neue, spannende Arrangements neuer Lieder. Dank seiner Motivation haben wir schließlich ein tolles Jubiläumskonzert geschafft: 25 Jahre JOY!
Dinge, die wir bei unserem Probenwochenende im Tonstudio "Klangschmiede" gelernt haben
zusammengestellt von Alexander Ognibeni (Bass)
Ende September 2023 stand für JOY ein Jahres-Highlight auf dem Programm: Unser zweiter Besuch in der „Klangschmiede“ im schönen Wölmersen am Rande des Westerwaldes. Hier haben wir zwei Tage lang geprobt und Stücke aufgenommen. Ein paar Erkenntnisse aus Sicht eines Chormitgliedes.
1. Mit Aussicht singt es sich besser - Das Studio liegt auf einer Anhöhe im Westerwald und durch die Panoramascheiben bietet sich den Künstlern ein weiter Blick über Wiesen und Wälder. Inspiration für die Stimme direkt vor der Nase.
2. Technik ist unerbittlich - Mikrofone nehmen jede leichte Abweichung glasklar auf. Und nicht zuletzt der Toningenieur hört einfach alles. Daher müssen wirklich alle Sängerinnen und Sängern jedes Detail fehlerfrei singen, damit eine Aufnahme am Ende passt.
3. Lautstärke spielt keine Rolle - Die Balance der Stimmen wird später am Mischpult optimiert – das ist vor allem für die Männerstimmen eine Erleichterung. Denn obwohl JOY in Tenor und Bass gut besetzt ist, stellt die ausgewogene Lautstärke der Stimmen beim Live-Auftritt oft eine Herausforderung dar. In der Klangschmiede kann sich jeder ganz auf sich konzentrieren und wir nehmen stimmlich Druck raus. Das erleichtert das Singen.
4. Weniger ist mehr - Wir haben uns für das Wochenende viel vorgenommen – zu viel, wie wir bald feststellen. Das Arrangement von “Rolling in the Deep” von Adele ist ein echtes Schwergewicht. Chorleitung und Studioleiter treiben uns zu möglichst großer Perfektion und wir beschließen auf halber Strecke: Wir stellen Qualität über Quantität und fokussieren uns ausschließlich auf ein Stück. ....[mehr]
... 5. Nebeneffekt Gemeinschaft ist genauso wichtig - Das Wochenende in der Klangschmiede hat für JOY gleich mehrere Funktionen. Unser Ziel ist es natürlich, eine professionelle Aufnahme mindestens eines Songs zu erreichen. Wir freuen uns aber auch alle, dass das Wochenende viel mehr Raum für Gespräche und fürs Miteinander lässt als das bei den Proben unter der Woche der Fall ist. Und so wird vor, zwischen und nach den Aufnahmen ausgiebig geplaudert oder etwas gemeinsam unternommen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: perfekt!
6. Ulrike ist ‘ne Maschine - In der Klangschmiede leitet uns unsere Chorleiterin Ulrike mit höchster Präzision durch jede Passage. Im Gegensatz zu uns Sängern hat sie fast nie Pause, ist ständig gefordert. Unermüdlich arbeitet sie mit jeder Stimme und bringt durch ihr Dirigat Ausdruck und Dynamik in die Aufnahme ein. Am Ende des Tages sind daher nicht nur die Aufnahmen geschafft... Ulrike ist es auch. Respekt und danke für deinen Einsatz!
7. Gemeinsames Ergebnis, gemeinsamer Stolz - Ganz am Ende des zweiten Tages und nachdem alle Stimmen fertig aufgenommen sind, darf sich der gesamte Chor im Arbeitsraum des Tontechnikers hinter seinem großen Mischpult versammeln. Die Aufnahmespuren sind schon einmal provisorisch übereinandergelegt worden und auch wenn die Schluss-Mischung noch fehlt, können wir zum ersten Mal “unser” Rolling in the Deep im Gesamtarrangement hören. Und wie das klingt! Leuchtende Augen, ein spontaner Applaus für uns selbst.
Ein Jahr Joy (Teil 1) Alexander Ognibeni (Bass)
Es ist ein nieseliger Tag Mitte Oktober 2022, als ich zufällig auf JOY stoße. Im Fenster meines Bachemer Friseursalons sehe ich ein peppiges Plakat: JOY, der junge Pop-Chor aus Frechen, gibt ein Konzert. Mein Interesse ist sofort geweckt, ich habe früher schon in Chören gesungen und hatte Lust, dieses Hobby wieder aufzunehmen. Also schicke ich eine kurze Mail an die Kontaktadresse von JOY: Werden noch Mitsänger gesucht? Die Antwort kommt schnell: Ich werde zum Schnuppern eingeladen.
Auf zum Schnuppern
Und so finde ich mich wenige Wochen später im Probenraum im Pfarrheim St. Severin ein, und treffe auf eine Gruppe mir völlig fremder Menschen. Jeder kennt solche Momente: Man kennt sich nicht aus und ist erst einmal unsicher. Doch diese Unsicherheit wird mir schnell genommen: Meine Kontaktpersonen binden mich ohne zu zögern ein. Alles ist wohl organisiert, es gibt einen Gästesatz an Noten und im Bass nimmt mich Frank unter seine Fittiche. Berührungsängste gibt es keine: „Sing einfach direkt mal mit”. OK, dann rein ins kalte Wasser! Der Chor beginnt an diesem Tag mit neuen Liedern. Schnell lerne ich die Methodik kennen: Wir erarbeiten uns die neuen Stücke Abschnitt für Abschnitt und Stimme für Stimme. Von Anfang an wird großen Wert auf Details wie Intonation, Timing und Dynamik gelegt. Das ist beeindruckend, einfach mal durchsingen ist hier offenbar nicht. Alle sind mit Konzentration bei der Sache, Chorleiterin Ulrike steuert die Probe humorvoll, aber konsequent. Schon nach einer Stunde können wir ein Lied vierstimmig singen und ich kriege einen Eindruck davon, wie der Chor klingen kann, wenn er voll eingespielt ist. Der erste echte Eindruck – oh wow!
Und dann kommt er, mein erster “JOY-Moment” mit Gänsehaut. Zum Abschluss der Probe singen wir aus dem bestehenden Konzert-Repertoire “Skyfall”. Der Chor ist eingespielt und selbstbewusst, ich stehe mittendrin und höre irgendwann einfach auf, mit den Augen den Noten der Bassstimme auf dem Blatt zu folgen. Stattdessen hebe ich den Kopf und höre nur zu. Alles wirkt unglaublich harmonisch und klingt so kraftvoll, wie einfach nur ein großer Chor klingen kann. Es ist dieser Moment, in dem ich merke, dass ich hier etwas Gutes gefunden habe.
Geprüft und bestanden
Nach dem ersten Probesingen ist schnell klar, dass ich wiederkommen möchte. Nach drei Schnupperproben gibt es ein Vorsingen. Das entpuppt sich als weniger schlimm als befürchtet: Am Klavier von Ulrike stehend singe ich mit ein paar anderen Neulingen einige Tonfolgen und rhythmische Sequenzen nach. So verschafft Ulrike sich einen Eindruck von unseren Stimmlagen. Ihr Urteil ist wohlwollend: Ich darf JOY beitreten. Juhu! Vor der Saaltür warten einige Sängerinnen und Sänger und bejubeln unsere Aufnahme ausgelassen. Noch so ein “JOY-Moment”, der sich richtig gut anfühlt!
Ein Jahr Joy (Teil 2) Probenalltag und mehr!
In den kommenden Monaten bauen wir das neue Repertoire weiter aus. Dabei ist der Anspruch gleichbleibend hoch. Schaffbar, aber so, dass man sich intensiv mit den Stücken auseinandersetzen muss. Dabei unterstützen verschiedene Hilfsmittel: Es gibt Mitschnitte der Proben, spezielle Notizen in den Partituren und für nahezu alle Stücke MIDI-Dateien der einzelnen Stimmen zum Üben zuhause. Was ich im Laufe des Jahres außerdem lerne: Chor – das ist nicht nur Mitsingen, das ist auch ganz viel ehrenamtliches Engagement. Die JOY-ler teilen sich diese Aufgaben untereinander auf, und viele übernehmen dabei freiwillige Ämter – sei es im Outfit-Team, als Notenwartin, im Vorstand oder anderen Arbeitsgruppen. Wichtige Entscheidungen trifft der Chor als Verein gemeinsam bei der jährlichen Mitgliederversammlung.
Es geht voran...
Im Laufe des Jahres bauen wir unser neues Repertoire immer weiter aus, nehmen neue Stücke dazu und verfeinern die älteren. Im Herbst 2023 können wir zum ersten Mal auf das gesamte für das Konzert vorgesehene Repertoire zurückgreifen, ein gutes Gefühl! Immer öfter versuchen wir, die Notenblätter beiseitezulegen. Textsicherheit ist die neue Währung und stellt sich immer mehr ein.
Wenn Sie diesen Text als Teil unseres Programmheftes lesen ist hinter den Kulissen vermutlich gerade die Anspannung, aber auch die Vorfreude mit Händen zu greifen. Für mich selbst ist es der erste große Auftritt mit unserem Chor. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, einen genauso besonderen Moment zu schaffen, wie ich selbst ihn bei meiner ersten Probe mit JOY erlebt habe. Einen Moment, in dem man den Kopf hebt und sich ganz auf die Musik konzentriert. Und in dem die Leidenschaft von JOY überspringt. Denn so, genau so muss Chor sein.