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Probensonntag: Lehrreich, geistreich, abwechslungsreich

Ende September 2002 trifft sich der Chor Joy zu einem Probensonntag. Die Konzerte im Stadtsaal nahen und es ist noch viel zu üben. Packen wir´s an! Aber Guido verwirrt uns schon zu Beginn: “Alle setzen sich andersherum, mit Blick zu den Türen.“ Das gab´s noch nie im Pfarrsaal von St. Severin. Aber natürlich wird die Sitzordnung wunschgemäß nach anfänglichen Schwierigkeiten korrekt hergestellt, auch wenn kein Mensch weiß, wozu. Der Chor ist ja intelligent.

Guidos nächste Anweisung trifft den Alt: „Bitte verfolgt Eure Stimme.“ Wir verfolgen, wie gewünscht, intensiv den Verlauf unserer Noten. Bei den folgenden Einsätzen sind wir daher stimmlich nicht mehr anwesend, da wir verfolgen. Der Ausfall der tragenden Altstimme ist dem Chor nicht wirklich zuträglich, wir wissen allerdings zu jedem Zeitpunkt ganz genau, was wir gerade hätten singen sollen. Der Alt löst dann das Problem, indem er einfach wieder mitsingt.

Danach führt uns Guido in die geistig anspruchsvolle Phase des Probentags ein. Er möchte in seiner gewohnt zurückhaltenden Art Kritik äußern und beginnt dies sehr vorsichtig: „97 % von Euch, 3 % vielleicht nicht, aber diese trotzdem gedanklich eingeschlossen, sollen ... „ Nach eindringlicher Prüfung halte ich Guidos Aussage für mathematisch korrekt. Berechnungen ergeben, die Kritik richtet sich an alle. Was den Inhalt betrifft, kann ich mich nicht mehr erinnern, um was es ging, aber ich finde Guidos Vorgehen „total diplomatisch mathematisch“.

Ein Highlight folgt dem anderen. Im Refrain von „Sing, Sing, Sing“ genügt Guido unsere Betonung des Wortes „like“ nicht. Er will es knallig, kräftig gesungen haben und wir lernen von ihm, daß dieses kleine Wörtchen ein „vergleichendes Adverb“ ist. Wir sind verblüfft und auf Grund dieser grammatikalischen Erklärung bekommt der Refrain urplötzlich nie geahnten Drive. Wir singen schon in einem tollen Chor. Wir lernen nicht nur zu singen, wir erarbeiten nebenher wichtige Themen der Mathematik und Grammatik.

Im weiteren Verlauf des Probentags wird noch viel geübt, auch Singen. Falsche Töne und Einsätze werden von Guido gnadenlos verfolgt. Er äußert : „Manche denken immer noch, ich höre nicht gut.“ Aus dem Chor kommt eine Stimme: „Und manche wissen es.“ (Anm.: Berti kennt Guido schon länger.) Zum Abschluß üben wir das Titellied unseres Konzerts: „Thank you for the music.“ Die schönen, harmonischen Klänge jagen Guido Schauer des Vergnügens über den Rücken.

Der geschäftsführende Vorstand wird noch prüfen, ob Guido für diesen Genuss Vergnügungssteuer zahlen muss und ob der Chor Spendenquittungen ausstellen kann. Nach dem lehrreichen Probentag hoffen wir alle, unserem Publikum bei den Konzerten im November ebenfalls viel Vergnügen bereiten zu können. Bis dahin hoffentlich

Dagmar Franken


© 2004 JOY Junger Chor Frechen eV

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