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JOY - Das ist kein normaler Chor!Als
ich den Jungen Chor zum ersten Mal hörte, war mir klar, in diesem oder
einem vergleichbaren Chor möchtest Du gerne einmal singen. Ich war zu
dieser Zeit noch in Neuwied in einer Sondereinrichtung für Behinderte zur
Ausbildung und nur am Wochenende zu Hause! Es war also für mich nicht
möglich mitzusingen! Beim ersten Konzert im Stadtsaal war ich wieder als
Besucher da und mit der Ausbildung fertig! Wieder begeisterte mich die
Musik! Meine Schwägerin, selber Chorleiterin, ermutigte mich Guido
anzurufen und zu fragen, ob ich auch als Behinderter mitsingen könnte. Es
war für ihn keine Frage. Anfang 97 war es dann so weit. Ich ging zu
meiner ersten Probe. Guido begrüßte mich, sagte gleich dem ganzen
Chor, dass er es sehr mutig fände, dass ich in meiner Situation diesen
Schritt getan hätte. Ich bekam (etwas verwirrt) meinen ersten Beifall! Ich
merkte sofort, dass dieser Chor etwas Besonderes war. Ich wurde mit offenen
Armen empfangen. Ganz anders waren meine bisherigen Erfahrungen gewesen. Ich
musste immer * beweisen *, dass ich nicht blöd im Kopf bin, musste gegen
Vorurteile und Unsicherheiten von Nichtbehinderten arbeiten. Hier war es
anders! Sicher gab es Leute, die mir gegenüber unsicher waren, aber das
fiel nicht sehr ins Gewicht.
Wir sangen einfach zusammen. Sehr bald
schon hatte ich viele neue Freunde gefunden. Es ist einfach nur prima! Bei
Konzerten steht schon ein Stuhl für mich bereit; ehe ich mich versehe ist
der Notenständer aufgebaut. Bei Chorausflügen werde ich im Rollstuhl
sitzend über Stock und Stein gefahren und wenn das nicht mehr geht, dann
finden sich ganz rasch ein paar starke Sänger/innen, die mich über
diese Hürden tragen. Ich finde das einfach nur toll, mit was für
einer Selbstverständlichkeit ich dazu gehöre und jeder auf seine
Weise seinen Beitrag dazu leistet. Sei es ein stützender Arm, das Tragen
meiner Notentasche oder andere Erleichterungen. Ich möchte mich an dieser
Stelle einmal bei meinen Mitsänger/innen bedanken, dass ich so akzeptiert
werde wie ich bin und dazu gehöre!
Ich glaube, das es nur wenige
Gruppierungen gibt, in denen so eine Herzlichkeit, eine
Selbstverständlichkeit und Akzeptanz besteht. Es mag sein, dass der Eine
oder Andere jetzt sagt, das ist doch normal! Es sollte so sein, aber leider ist
unsere Gesellschaft nicht so human und man muss gegen viele Probleme angehen.
Danke, dass ich diese tolle Erfahrung machen darf! Ihr seid einfach
*bäärig*!! (Lieblingswort v. Gabi, der Hotelchefin in Reutte)
Andreas Krings
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